Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Supplikation als kommunikative Herrschaftstechnik in zusammengesetzten Monarchien

Handkoloriert Holzschnitt, unbekannter Stecher, circa 1526-1550

© Herzog August Bibliothek, Graph. Res. B: 91.3

Gelehrte und Schreiber in diversen Szenen. Im Vordergrund übergibt ein Bittsteller ein Schriftstück an einen Amtsträger.

Der Artikel befasst sich mit Supplikationen (Bittschreiben) als einem weit verbreiteten Mittel frühneuzeitlicher Staaten, um die Kommunikation zwischen Untertanen und Fürsten zu gestalten. Durch einen Vergleich zwischen verschiedenen Teilen der Habsburgermonarchie (Niederösterreich, Ungarn und die südlichen Niederlande) wird der Frage nachgegangen, ob Supplikationen geeignete Instrumente waren, um einen Kontakt zwischen Untertanen in den Peripherien und dem höfischen Zentrum herzustellen.

Durch die Einrichtung neuer regionaler Behörden (Kreisämter) Mitte des 18. Jahrhunderts schuf Maria Theresia die Voraussetzungen für die Umsetzung solcher Verwaltungsverfahren in den österreichischen Kernprovinzen. Die Kreisämter boten den Untertanen eine Instanz, die geeignet war, die lokale Macht des Adels und der Kirche zu umgehen. Sie dienten als wirkungsvolles Instrument im Staatsbildungsprozess und förderte die Autorität der Krone.

Im Gegensatz dazu scheiterte Joseph II. in den entlegenen östlichen und westlichen Provinzen mit dem Versuch, ähnliche regionale Behörden einzurichten. In Ungarn und Brabant blieben die Untertanen deshalb auf die Gnade von regionalen Machthabern angewiesen, sodass sie sich weiterhin mit ihren Bittschriften an diese wandten. Das Habsburgerreich zeigt, dass unter den Bedingungen frühneuzeitlicher Infrastrukturen Entfernung eine große Rolle spielt. 

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The article deals with supplications as a prevalent feature of early modern states to shape communication between commoners and prince. By comparing the usages in different parts of the Habsburg Empire (Lower Austria, Hungary, and the Southern Netherlands) it asks whether supplications were adequate tools to establish direct forms of contact between subjects in the peripheries and the courtly center.

By establishing new regional public authorities (Kreisämter) in the middle of the 18th century, Maria Theresia achieved the preconditions to implement such administrative proceedings in her Austrian homelands. This communicative bypass, suitable to circumvent the local powers of nobility and church, served as a mighty tool in the state-building process, and fostered the authority of the crown.

In contrast, Joseph II failed in his remote eastern and western provinces to establish similar regional authorities, depending on central command only. In Hungary and Brabant, commoners had to rely on the grace of regional powers, so that they continued to address them with their supplications. The Habsburg Empire shows that, given the conditions of early modern infrastructure, distance matters.