Projektemacher
Johann Heinrich Gottlob (von) Justi: Gedanken von Projecten und Projectmachern,
in: ders.: Gesammlete Politische und Finanzschriften über wichtige Gegenstände der Staatskunst, der Kriegswissenschaften und des Cameral= und Finanzwesens. Bd. 1, Kopenhagen/Leipzig 1761, S. 256–281, hier S. 256/57.
© Bayerische Staatsbibliothek München, https://www.digitale-sammlungen.de/view/bsb10769542?page=296
Scheitern kann nur, wer Pläne hat. Die Beschäftigung mit dem Thema Scheitern ist also zugleich eine Beschäftigung mit der Frage, wie sich Menschen ihre Zukunft vorstellen, wie sie diese Zukunft gestalten wollen, und wie sie damit umgehen, wenn sie mit diesen Plänen keinen Erfolg haben. Im Diskurs des 17./18. Jahrhunderts wurde für ambitionierte Pläneschmiede der Begriff »Projektemacher« geprägt.
Dass solche Projektemacher scheiterten, war zwar keineswegs eine ausgemachte Sache. Der zeitgenössische Diskurs legt jedoch den Gedanken nahe, dass ein Scheitern wahrscheinlicher war als ein Erfolg. Dass dennoch die Kette der Projekte nicht abriss, kann als ein Hinweis auf spezifische, für die Epoche typische Haltungen und Handlungsweisen gedeutet werden.
Entsprechend hat die aktuelle kulturwissenschaftliche Forschung im frühneuzeitlichen Projektemacher eine sozio-kulturelle Figur identifiziert, die in ihrer Zwiespältigkeit auf die Moderne verweist. Der Artikel geht der Geschichte der Begriffe »Projekt« und »Projektemacher« nach und entwickelt eine Hypothese über die Bedeutung dieser sozialen Figur am Beispiel des Kameralisten Johann Heinrich Gottlob von Justi (1717-1771), der jeden halbwegs ambitionierten Menschen als »Projektemacher« bezeichnet hat.