Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Infrastrukturen des Verkehrs im deutschsprachigen Raum

Schiffslandeplatz an der Donau bei Straubing (1816)
Federzeichnung von Johann Adam Klein (1792-1865)

© Hamburger Kunsthalle, Kupferstichkabinett, Inv. Nr. 23466

Um 1800 basierte die Verkehrsinfrastruktur in Deutschland auf traditionellen »Naturstraßen« und meist unregulierten Wasserwegen. Die Veränderungen, die sich im Laufe des 18. Jahrhunderts in England und Frankreich durch den Bau von Chausseen und Kanälen abzeichneten, wurden in Mitteleuropa durch die politische Situation behindert.

Dieser Artikel befasst sich mit der Frage, ob es neben der politischen Fragmentierung noch andere Gründe für das lange Fortbestehen traditioneller Strukturen im Reich gab. Es wird eine doppelte Hypothese untersucht: Ist es erstens möglich, dass die traditionellen Straßen und Wasserwege effizienter waren, als von der historischen Forschung behauptet? Der Hauptgrund für ihre Effizienz wird in den Bemühungen der Anbieter und Nutzer gesucht, sie flexibel zu gestalten. Zweitens ist festzustellen, dass einige politische Schwierigkeiten beim Bau von »Kunststraßen« (Chausseen) sehr wohl überwunden wurden durch die Koordinierung der Aktivitäten verschiedener Reichsstände.

— eng —

Around 1800, transport infrastructure in Germany was based on traditional roads and waterways. The fundamental changes that were heralded in England and France in the course of the 18th century were hindered by the political situation.

This article focuses on the question of whether there were other reasons for the long survival of traditional structures besides political fragmentation. A twofold hypothesis will be examined: It is possible that traditional roads and waterways were more efficient than claimed by historical research? We thus suggest, firstly, that the main reason for their efficiency was the efforts of providers and users to make them more flexible. Secondly, some political difficulties were overcome by coordinating the activities of various imperial estates.