Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Die Männlichkeit der Beamten

Eigens für die angehenden lokalen Amtsträger der Territorien kamen im 18. Jahrhundert Ratgeber auf. Sie sollten den Absolventen eines Studiums der Rechte oder der Kameralwissenschaften auf seinen Amtsalltag vorbereiten. Die Autoren waren meist erfahrene Praktiker, die dem Nachwuchs Verhaltensempfehlungen machten.

Diese Ratgeber waren sich einig, dass fachliche Expertise keineswegs ausreichte, sondern dass außerdem eine „männliche Haltung“ erforderlich sei: Unparteilichkeit, Leidenschaftslosigkeit und väterliche Fürsorge für das Wohl der Amtsuntertanen.

Der Artikel befasst sich mit der Frage, welche Selbst- und Fremdbilder für die Amtsträger der Territorialstaaten im 17./18. und im frühen 19. Jahrhundert genutzt wurden, und auf welche »Männlichkeiten« diese Bilder rekurrierten. Es geht dabei nicht um den Fürsten und seinen Hof, sondern um das Personal an der örtlichen Basis von Justiz und Administration. Die Ausprägung der männlichen Geschlechtsidentität von Amtsträgern unterschied sich nicht systematisch von der Identität anderer Männer aus der bürgerlichen Oberschicht. Gleichwohl werden einige spezifische Aspekte der Männlichkeit von Amtsträgern thematisiert, weil die Vorstellungen vom Staat aufs Engste damit verbunden waren, dass die obrigkeitlichen Aufgaben exklusiv von Männern wahrgenommen wurden. Die Beschäftigung mit den zeitüblichen Selbst- und Fremdbildern von lokalen Amtsträgern – genauer noch: die Rekonstruktion des spezifisch maskulinen Charakters dieser Vorstellungen – leistet so einen Beitrag zur Analyse des Verständnisses von staatlicher Herrschaft überhaupt.