Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Die Geschäftsmodelle von Lotterieunternehmen im 18. Jahrhundert

Lottoziehung in Köln (1772)

Gemälde auf Holz

© Manfred Zollinger: Ce „sort ingénieux”. Six siècles de loteries en Europe, in: Ulrich Schädler (Hg.): Créateurs de Chances. Les Loteries en Europe, La Tour-de-Peilz 2012, S. 36-97, hier S. 66.

Für die Frage nach den historisch wandelbaren Formen des Umgangs mit dem Ungewissen sind Lotterien besonders geeignet, handelt es sich doch um einen Fall massenhaft willentlich herbeigeführter Kontingenz. Die Käufer von Lotterielosen gingen und gehen das Risiko ein, einen meist überschaubaren Einsatz zu verlieren, aus der Überlegung, im unwahrscheinlichen Fall eines Hauptgewinns mit einem Schlag reich zu werden.

Welchen Kalkülen die frühneuzeitlichen Lottospieler dabei genau folgten, erschließt sich überwiegend nur indirekt aus ihren Praktiken, denn Selbstzeugnisse geben darüber nur ausnahmsweise Auskunft. Die Kalküle der Lotterieveranstalter sind dagegen leichter zugänglich, weil ihre Spielpläne, ihre Anträge bei den Obrigkeiten auf Vergabe einer Konzession, ihre Formen öffentlicher Selbstdarstellung und ihre internen Unterlagen Auskunft geben über die zugrundeliegenden Geschäftsmodelle. Dadurch lassen sich belastbare Aussagen über eine Vielzahl von Sachverhalten treffen: die mathematischen Modelle, die Organisation des Losverkaufs, die Inszenierung der öffentlichen Ziehungen, die Ausschüttungsmodalitäten an Gewinner, die Betriebskosten, die Reinerlöse und die Verteilung dieser Einnahmen zwischen den Lotterieunternehmern und den konzessionsgebenden Obrigkeiten.

Die vielfältigen und einfallsreichen Werbematerialien für Lotterien aus dem 18. Jahrhundert können außerdem genutzt werden, um Erkenntnisse zur frühen Geschichte des Marketings zu gewinnen. All diese Sachverhalte werden in diesem Beitrag thematisiert und als Hinweise genutzt zur Klärung der zentralen Frage nach den Geschäftsmodellen von Lotterieunternehmen, die entweder in staatlicher Eigenregie geführt wurden oder als private Unternehmen, die eine obrigkeitliche Konzession benötigten.