Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Fürstendiener – Staatsbeamte – Bürger

Johann Daniel von Schmerfeld (1701-1781) 

Ölgemälde von Johann Heinrich Tischbein dem Älteren (1771/1780)

© Wallraf-Richarz-Museum

Die Amtsträger in den Reichsterritorien stammten häufig aus Familien, die durch Heiraten und Patenschaften weit verzweigte Verbände bildeten. In der Landgrafschaft Hessen-Kassel gehörte die Familie Schmerfeld seit dem 17. Jahrhundert zu dieser privilegierten Gruppe.

Angehörige der Familie Schmerfeld dienten den Landgrafen als Amtleute, Regierungsräte und Hofprediger. Johann Daniel Schmerfeld errang als Erzieher des nachmaligen Landgrafen Friedrich II. früh eine besondere Vertrauensstellung und brachte es bis zum Geheimen Rat und Direktor der Kabinettskasse. In dieser Funktion verwaltete er die ungeheuren Gewinne des Fürsten aus den Subsidienverträgen mit der englischen Krone. So erstaunt es nicht, dass er und seine Familie im Jahr 1780 in den Reichsadel aufstiegen.

Wie funktionierten Justiz und Verwaltung vor Ort in einem deutschen Territorium vor etwa zweihundert Jahren? In diesem Buch stehen nicht Institutionen und Gesetze im Mittelpunkt, sondern die Lebenswelt der Ortsbeamten in der Landgrafschaft Hessen-Kassel. Die Richter und Beamten werden in ihren Beziehungen zum Fürsten und zum Hof, zu anderen Angehörigen der Bürokratie, zur eigenen Familie und zur kleinstädtischen Umwelt beobachtet. Wie wirkten sich diese Faktoren, aber auch der tiefgreifenden Wandel der Herrschaftsverfassung, des Rechts und der Verwaltung von der Mitte des 18. Jahrhunderts bis zum Vormärz auf die Amts- und Lebensführung der Ortsbeamten aus? Diese Studie bietet einen Beitrag sowohl zur Geschichte der bürgerlichen Familie, als auch zum Übergang vom frühneuzeitlichen Fürstenstaat zum modernen Anstalts- und Verfassungsstaat.