Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Mikrogeschichte der Macht im östlichen Ungarn im 18. Jahrhundert

Graf Sándor Károlyi (1669-1743).

Ölgemälde eines unbekannten Künstlers. Im Hintergrund links unten ist die Kapitulation von Nagymajtény (1. Mai 1711) dargestellt, die das Ende des Kuruzzenkrieges markierte. Sándor Károlyi, der Hauptakteur in den Friedensverhandlungen, leistet gemeinsam mit dem Kuruzzenheer den Treueeid gegenüber den Habsburgern.

© Ungarisches Nationalmuseum Budapest MNM, Inv.Nr. 2122, Fotografie: Judit Kardos

»Herrschaft an der Grenze« ist ungewöhnlich: eine Monographie von zwei Autoren und einer Autorin aus drei Ländern. Das Buch beruht auf ihrer engen Kooperation und bietet eine Mikrostudie zur Herrschaftspraxis im ungarischen Komitat Szatmár an der Peripherie der Habsburgermonarchie. Sie zeigt, wie Entscheidungen innerhalb von ständischen, staatlichen und städtischen Institutionen durch die Abhängigkeitsverhältnisse zwischen der Magnatenfamilie Károlyi und dem lokalen Adel beeinflusst wurden. In biographischen Miniaturen wird dem Wandel dieser Loyalitätsbeziehungen im Zeitalter der Aufklärung nachgegangen.
Heute ist das alte Ungarn aus dem deutschen historischen Gedächtnis noch weiter entschwunden als das alte Österreich. Daher müssen sowohl die Akteure als auch die Schauplätze und die wichtigsten Institutionen vorgestellt werden. Viele gesellschaftliche Strukturen und kulturellen Eigenarten werden sich der Leserin und dem Leser aus der Erzählung bestimmter historischer Momente erschließen, aus der Darstellung der Entwicklung von Beziehungen zwischen Personen, aus ihren Abhängigkeiten und Handlungsspielräumen. Unser Vorgehen ähnelt demjenigen eines Anthropologen, der fremde soziale und kulturelle Verhältnisse zu registrieren, zu deuten und zu erzählen sucht. Dabei geht es nicht allein um einen Beitrag zur ungarischen Geschichte, sondern auch um die Weiterentwicklung des Konzepts »Klientelismus«, das für die Geschichte des frühneuzeitlichen Europas insgesamt bedeutungsvoll ist.