Stefan Brakensiek

Geschichte der Frühen Neuzeit

Geschichte der ländlichen Gesellschaft

Die Ernte (um 1620)
Kupferstich von Nicolaes de Bruyn (1571-1656).

© Bildarchiv Preußischer Kulturbesitz

Während im Dorf grundsätzlich eine Arbeitsteilung nach Geschlechtern vorherrschte – Haus und Garten waren der Arbeitsbereich der Frau, Feldarbeit der des Mannes – änderte sich dies während der Erntezeit. Sowohl Männer als auch Frauen arbeiteten auf dem Feld, allerdings waren auch hier die Aufgaben unter den Geschlechtern aufgeteilt: Die Männer mähten das Getreide, während die Frauen es zum Trocknen und Dreschen bündelten.

Vor der Industrialisierung lebte die Mehrheit der Bevölkerung auf dem Land. Dennoch ist ihre Geschichte nicht sonderlich gut erforscht. Deshalb habe ich mich darauf konzentriert, die Lebensverhältnisse von Menschen zu erforschen, die von ihrer Hände Arbeit lebten.

Meine Dissertation befasste sich am Beispiel von Westfalen und Niedersachsen mit der Privatisierung des gemeinschaftlich genutzten Landes im 18./19. Jahrhundert. Diese fundamentale Veränderung der Besitzverhältnisse wurde von den »aufgeklärten« Eliten in Staat und Gesellschaft propagiert, weil sie sich davon die Förderung unternehmerischer Initiative, die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität und wachsende Steuereinnahmen versprachen. Der Landbevölkerung wurde diese Reform aufgenötigt, traf aber unter Bauern, die vorher schon im großen Stil für den Markt produzierten, auf Zustimmung. Auch manche »kleinen Leute« begrüßten diese Reform, weil sie eine Parzelle erwerben konnten. Für die Mehrheit der Armen verschärfte sich jedoch ihre Not, denn sie verloren die Möglichkeit, eine Kuh kostenfrei auf die gemeinschaftliche Weide zu treiben und günstig Brennholz zu beziehen.

Zuletzt habe ich mich mit der Erwerbsarbeit von Landarbeitern und Dienstmägden, Handwerkern und Gewerbetreibenden, Fuhrknechten und Wanderhändlerinnen befasst. Die Kommerzialisierung Europas beruhte nämlich nicht allein auf den Aktivitäten von Kaufleuten und Unternehmern, sondern ist ohne das Know How und den Fleiß von vielen »unbesungenen Helden« aus den Kleinstädten und Dörfern nicht zu verstehen.

Veröffentlichungen

Monographie

Agrarreform und ländliche Gesellschaft. Die Privatisierung der Marken in Nordwestdeutschland 1750-1850, Paderborn 1991 (Forschungen zur Regionalgeschichte 1).

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Aufsätze

Markenteilungen in Ravensberg 1770 bis 1850, in: Westfälische Forschungen 40 (1990), S. 45-85.

Agrarian Individualism in North-Western Germany, 1770 – 1870, in: German History. The Journal of the German History Society 12/2 (1994), S. 137-179.

Sozialtypologie und -topographie eines Gewerbedorfes. Die Bauerschaft Bardüttingdorf (Ravensberg) im Vormärz, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 45/2 (1997), S. 181-200.

Regionalgeschichte als Sozialgeschichte, Studien zur ländlichen Gesellschaft im deutschsprachigen Raum. In: Regionalgeschichte in Europa. Methoden und Erträge der Forschung zum 16. bis 19. Jahrhundert, hrsg. v. Stefan Brakensiek und Axel Flügel, Paderborn 2000, S. 197-251.

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Marken und Gemeinheiten in Westfalen und Niedersachen. Verwaltung – Bewirtschaftung – Nachhaltigkeit, in: Kloster – Stadt – Region. Festschrift für Heinrich Rüthing, hrsg. v. Johannes Altenberend und Reinhard Vogelsang, Bielefeld 2002, S. 291-314.

The management of common land in north-western Germany, in: The management of common land in north west Europe, c. 1500-1850, hrsg. v. Martina De Moor, Leigh Shaw-Taylor und Paul Warde (Comparative Rural History of the North Sea Area 8), Turnhout 2002, S. 225-245.

Les biens communaux en Allemagne. Attaques, disparition et survivance (1750-1900), in: Les propriétés collectives face aux attaques libérales (1750-1914). Europe occidentale et Amérique latine, hrsg. v. Marie-Danielle Demélas und Nadine Vivier, Rennes 2003, S. 78-96.

Grund und Boden – eine Ware? Ein Markt zwischen familialen Strategien und herrschaftlichen Kontrollen, in: Ländliche Gesellschaften in Deutschland und Frankreich, 18.-19. Jahrhundert, hrsg. v. Gérard Béaur, Christophe Duhamelle, Reiner Prass und Jürgen Schlumbohm (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für Geschichte 187), Göttingen 2003, S. 269-290.

La terre et la propriété: une marchandise? Un marché entre stratégies familiales et contrôle seigneurial, in: Les Sociétés rurales en Allemagne et en France (XVIIIe-XIXe siècles), hrsg. v. Gérard Béaur, Christophe Duhamelle, Reiner Prass und Jürgen Schlumbohm, Rennes 2004, S. 231-251.

Farms and land – a commodity? Land markets, family strategies and manorial control in Germany (18th – 19th centuries), in: Landholding and land transfer in the North Sea area (late Middle Ages – 19th century), hrsg. v. Bas J.P. van Bavel und Peter Hoppenbrouwers (Comparative Rural History of the North Sea Area 5), Turnhout 2004, S. 218-234.

Die Auflösung der Marken im 18. und 19. Jahrhundert: Probleme und Ergebnisse der Forschung, in: Allmenden und Marken vom Mittelalter bis zur Neuzeit, hrsg. v. Uwe Meiners und Werner Rösener, Cloppenburg 2004, S. 157-169.

Agrarian Reforms and the Stimulation of Land Markets in Northwestern Germany, in: Il Mercato della Terra, Secc. XIII-XVIII. (Atti della Trentacinquesima Settimana di Studi 5-9 maggio 2003. Istituto Internazionale di Storia Economica F. Datini Prato, 35), hrsg. v. Simonetta Cavaciocchi, Firenze 2004, S. 487-497.

Bauern und Landwirtschaft zwischen Ancien Régime und Moderne, in: 200 Jahre Reichs­deputationshauptschluß. Säkularisation, Mediatisierung und Modernisierung zwischen Altem Reich und neuer Staatlichkeit, hrsg. v. Harm Klueting (Schriften der Historischen Kommission für Westfalen), Münster 2005, S. 265-283.

Das Feld der Agrarreformen um 1800, in: Figurationen des Experten. Ambivalenzen der wissenschaftlichen Expertise im ausgehenden 18. und frühen 19. Jahrhundert, hrsg. v. Eric J. Engstrom, Volker Hess und Ulrike Thoms, Frankfurt am Main 2005, S. 101-122.

Reformas agrarias y transformación de la sociedad rural en el siglo XIX, in: Sociedades agrarias y formas de vida. La historia agraria en la historiografia alemana, siglos XVIII-XX, hrsg. v. Jesús Millán García Varela und Gloria Sanz Lafuente, Zaragoza 2006, S. 27-46.

North-west Germany 1000-1750, in: Social Relations, Property and Power, hrsg. v. Bas van Bavel und Richard Hoyle (Rural Economy and Society in North-Western Europe 1), Turnhout 2010, S. 227-251.

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Gemeinsam mit Gunter Mahlerwein: North-west Germany 1750-2000, in: Social Relations, Property and Power, hrsg. v. Bas van Bavel und Richard Hoyle (Rural Economy and Society in North-Western Europe 1), Turnhout 2010, S. 253-283.

Ländliche Klassengesellschaft? Eine Relektüre, in: Wozu noch Sozialgeschichte? Eine Disziplin im Umbruch. Festschrift für Josef Mooser zum 65. Geburtstag, hrsg. v. Pascal Maeder, Barbara Lüthi und Thomas Mergel, Göttingen 2012, S. 27-42.

Traditionen und neuere Tendenzen der deutschen Forschung zur Geschichte ländlicher Gemeingüter, in: Jahrbuch für die Geschichte des ländlichen Raumes 12 (2015), S. 54-67.

Kommerzialisierung vor der Industrialisierung. Regionale Differenzierungsprozesse ländlicher Ökonomien in praxisgeschichtlicher Perspektive, in: Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 73/2 (2025), S. 9-42.

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Herausgeberschaft

Gemeinheitsteilungen in Europa. Die Privatisierung der kollektiven Nutzung des Bodens im 18. und 19. Jahrhundert, hrsg. v. Stefan Brakensiek (Jahrbuch für Wirtschaftsgeschichte 2, 2000).

Wandel der ländlichen Welt vom Mittelalter bis ins 20. Jahrhundert, hrsg. v. Stefan Brakensiek, Werner Rösener und Clemens Zimmermann (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 51/1, 2003).

Agrarwachstum und bäuerliche Ökonomie 1640 – 1880. Neue Ansätze zwischen Entwicklungstheorie, historischer Anthropologie und Demographie, hrsg. v. Stefan Brakensiek, Michael Kopsidis und Georg Fertig (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 52/1, 2004).

Agrarforschung im Nationalsozialismus, hrsg. v. Clemens Zimmermann, Stefan Brakensiek und Karl-Friedrich Bohler (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 53/2, 2005).

Geschichte und Gegenwart der Agrarwissenschaften, hrsg. v. Eva Barlösius und Stefan Brakensiek (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 55/2, 2007).

Landwirtschaft und Klima, hrsg. v. Stefan Brakensiek und Werner Rösener (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 58/1, 2010).

Die Kommerzialisierung ländlicher Gesellschaften vor der Industrialisierung, hrsg. v. Stefan Brakensiek und Barbara Krug-Richter (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 59/2, 2011).

Reiner Prass: Grundzüge der Agrargeschichte, Band 2: Vom Dreißigjährigen Krieg bis zum Beginn der Moderne (1650-1880), hrsg. v. Stefan Brakensiek, Köln / Weimar / Wien 2016.

Effizienz um jeden Preis? Gesellschaftliches Unbehagen am agrotechnischen Fortschritt seit Mitte des 20. Jahrhunderts, hrsg. v. Stefan Brakensiek und Niels Grüne (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 65/1, 2017).

Agrarproduktion und Marktentscheidungen, hrsg. v. Stefan Brakensiek und Johannes Bracht (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie 67/2, 2019).

Bauernkrieg 2025. Rezeption und museale Vermittlung, hrsg. v. Stefan Brakensiek, Niels Grüne und Ira Spieker (Zeitschrift für Agrargeschichte und Agrarsoziologie, 73/1, 2025).